Leben

2017 – ein kurzer Rückblick

Das  zu Ende gehende Jahr war für mich eher seltsam. Es ist viel passiert, auch wenn es sich innerlich für mich nicht unbedingt danach anfühlte. Am 31. Januar war mein letzer Arbeitstag in meinen alten Job und dann nahm ich mir eine bewusste Auszeit, musste mich gleichzeitig aber auch um eine neue Stelle bemühen. Zum Glück klappte das recht schnell. Bereis Mitte April hatte ich die Zusage. Ich konnte dann meinen Arbeitsstart relativ frei wählen und entschied mich für den 1. August. Ich wollte die Zeit nutzen, um endlich mal auszuspannen und mich von den Strapazen des alten Jobs erholen. Das klappte leider nicht richtig, denn meine Schlafstörungen wurden immer schlimmer und psychisch ging es mir nur solala. In dieser Zeit war ich viel Zuhause, kochte viel, meditierte viel, ging oft in die Pysiotherapie wegen meiner Hüfte, kümmerte mich um meine Grossmutter und traf mich immer mal wieder mit Freunden. Es war alles äusserst unspektakulär. Ich lebte, ich existierte, aber das war es auch schon. Und ich kämpfte mehr und mehr mit meinem Schlaf. So begann ich dann auch eher unerholt meine neue Stelle, was aber auch nichts machte, weil ich ja bis jetzt nicht wirklich was zu tun hatte.

In meiner Auszeit recherchierte ich sehr viel über Schlafstörungen und über Möglichkeiten, diese zu überwinden. Und ich wurde fündig. Ich fand ein Kissen, das mit einer Soundleiste ausgestattet ist. Man lädt eine bestimmt App runter, schliesst das Handy an und wählt einen von drei Sounds. Die Soundleiste gibt dann bestimmte Frequenzen ab, die das Hirn darin unterstützen, wieder richtig zu schlafen. Mein Schlaf verbesserte sich sofort massiv, es war wirklich das einzige von zig Mitteln und Techniken, das wirklich half. Seither schlafe ich viel besser, geschätzt hat sich meine Schlafqualität um 70 Prozent verbessert. Leider fühle ich mich tagsüber dennoch nicht wirklich fitter. Ich vermute, dass es einfach daran liegt, dass ich immer noch zu wenig schlafe. Denn an den Wochenenden oder währen meiner letzten Ferien wo ich 9 oder mehr Stunden schlief, war ich morgens und auch tagsüber fit.

Unter meinen Vorsätzen für das Jahr 2017 waren u.a. einen neuen Job zu finden, der nicht allzu stressig ist und wieder besser zu schlafen. So habe ich doch im Rückblick diese beiden Vorsätze zumindest halbwegs erfüllt, wenn auch nicht unbedingt so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Und wenn ich ehrlich bin, hoffe ich sehr, dass ich auch meine Vorsätze für das Jahr 2018 umsetzen kann. Ich habe sie noch nicht ganz konkretisiert, aber in den Grundzügen stehen sie fest.

Eine Surf-Freundin von mir, mit der ich regelmässig whatsappe hat mich gefragt, wie es mir so geht. „Ich sehne mich nach einem neuen Jahr“. Sie: „wo alles anders ist?“. Ich hab laut losgelacht. Wie lachhaft, dass man sich immer vorstellt, wie dann ein Jahr später alles anders, sprich besser ist. Und dennoch, ich glaube wirklich, dass sich auch im 2018 einiges ändern wird. Denn ab Januar „darf“ ich endlich arbeiten bzw. ich habe dann endlich meine eigenen Revisionsmandate und werde dann wohl endlich nicht mehr so viel auf Zalando bestellen müssen. Den Job kann ich schon noch eine Weile machen, aber dann muss bald eine neue Herausforderung her, sonst gehe ich innerlich ein. Gestern war ich mit CurlyA auf ein Bier und traf zufälligerweise meinen vorherigen Chef. Ich warnte ihn vor, dass ich eventuell bald wieder mit einer Referenzanfrage auf ihn zukommen werde. Aber das wird wohl noch ein paar Monate dauern und zuerst will noch ein bisschen von meinem jetzigen Job profitieren und hier noch so viel wie möglich lernen, obwohl sich das naturgemäss in Grenzen halten wird. Ich hoffe, dass wenn ich meine eigenen Mandate habe, auch wieder mehr „Drive“ bekomme und mein Leben allgemein wieder etwas in Schwung gerät.

Ich glaube fest an die Qualität der Zeit. Ich spüre, dass es gewisse Zeitspannen gibt, in denen einfach nichts richtig vorwärts gehen will, egal was ich auch probiere. Und dass es mit Freundschaften einfach schwierig ist, egal wie sehr ich mich bemühe und dass auch das Leben einfach düsterer ist, egal was ich dagegen unternehme. Für mich war das Jahr 2017 geprägt von einer solchen Zeitqualität und erst seit ein paar Wochen merke ich, wie sich zu der seltsamen Mischung von Auf-der-Stelle-treten, Verzweiflung und Resignation  auch Hoffnung und ein Funken Energie gesellen. Wenn diese Energie noch zunimmt und auch die Zuversicht noch stärker wird, werde ich vielleicht, wenn die Zeit reif ist, den Mut haben, mich wieder aktiv auf die Stellensuche zu begeben und etwas zu suchen, das mich auch richtig fordert. Und werde wieder mehr Lust haben, unter die Menschen gehen, mich mehr einzubringen und vielleicht werde ich noch besser schlafen können. Dann werde ich der Zukunft wieder zuversichtlicher entgegenblicken und wieder glücklicher sein. Ich wünsche es mir. 2018, ich freue mich auf dich.

Frohe Festtage euch allen!

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Arbeit · Ängste

Beruf – Konflikt zwischen Angst und Erfüllung

Seit knapp fünf Monaten, also seit ich meine aktuelle Stelle angetreten bin, habe ich kaum etwas zu tun, denn ich wurde erst ab nächstes Jahr in der Arbeitsplanung berücksichtigt. Ich verbringe meine Tage mit dem Erfassen von persönlichen Zalandobestellungen, privaten Internetrecherchen und Zeitung lesen. Dafür, dass ich wirklich nichts mache, verdiene ich noch recht anständig Geld. Man könnte jetzt sagen, ich solle doch dankbar sein. Aber mich macht es richtig unglücklich, wenn ich keine sinnvolle Aufgabe habe, bei der ich mich auch weiterentwickeln kann. Eigentlich ja beruhigend, dass ich offenbar reagiere, wie ein gesunder Mensch und mich nicht in meinem Nichtstun wohlfühle. Ich sehne mich fast schon nach dem alten Stress zurück. Aber eben nur fast. Mir ist schon bewusst, dass es auch einiges an Gutem gibt an meiner Situation. Meine Sollarbeitszeit ist z.B. genau 8.0 Stunden pro Tag. Teilweise fange ich erst um neun an. Und wenn ich mal früh hier bin, kann ich um vier wieder gehen und habe abends sehr viel Zeit für mich. Und ich kann bereits viel besser schlafen und habe wieder mehr Lebenskraft. Und die muss noch stärker werden. Es gibt noch Potenzial nach oben.

Ich könnte jetzt natürlich auch sofort kündigen. Aber dann habe ich wieder das altbekannte Problem: Was will ich eigentlich? Eine fordernde Stelle, bei der das Privatleben wieder hintanstehen muss oder eine gemütliche Stelle, bei der ich mir zwar nach Feierabend zum Yoga gehen, mich mit Freunden treffen und danach sogar noch was kochen kann, aber bei der mein Selbstwert leidet? Und diese fordernde Stelle – was wäre das dann? Ich kann mich ja gar nicht richtig für eine bestimmte Materie begeistern. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich am liebsten einfach gar nichts tun würde. Nein, faul bin ich ja eigentlich nicht. Die Wurzel des Problems liegt wieder mal in mir selbst oder anders gesagt in gewissen Charaktereigenschaften von mir. Ich habe Angst. Die Stelle, die ich jetzt habe, nährt das Teufelchen auf meiner einen Schulter. Das Teufelchen, das sich drückt, den Herausforderungen des Alltags mit Mut und Entschlossenheit zu begegnen. Es will lieber nichts tun, sich verstecken und sich vor allen Aufgaben drücken. Denn einen anspruchsvolle Stelle würde mich in vielen Bereichen viel von mir abverlangen. Und das Teufelchen nährt mit hinterlistiger Freude meine Selbstzweifel. Ich weiss zwar einerseits, dass ich nicht dumm bin. Andererseits fehlt mir viel noch viel Wissen und zusammenhängendes Denken. Ich habe zwar den Wirtschaftsprüfer bestanden, aber ich hatte auch viel Glück . Mein Herz war nie 100% dabei und manchmal machte mir auch die Kundenarbeit grosse Mühe. Bis ich eine kompliziertere Buchungssystematik begriff, musste ich es oft zuerst aufzeichnen und vergass er dann bald wieder. Wenn mir jemand etwas schnell erklärte, konnte ich oft nicht folgen. Meine Arbeitskollegen waren meist viel schneller im Denken als ich und ich fühlte mich minderwertig. Auch fiel und fällt es mir schwer, Zusammenhänge zu sehen. Isolierte Themen lerne ich schnell mal, aber wenn es ums Anwenden geht, habe ich Mühe. Auch fällt es mir schwer, für einen Standpunkt einzustehen, weil ich immer befürchte (und das stellt sich dann oft auch als richtig heraus), dass ich gewisse Einflussfaktoren nicht berücksichtigt habe. Mir fehlt der Blick aufs Ganze. Das frustriert mich alles sehr und hindert mich, grössere Herausforderungen anzunehmen, obwohl ich eigentlich sehr ehrgeizig und wissbegierig bin. Ich glaube zwar dass ich mir diesen Blick aufs Ganze antrainieren kann, dass es vor allem an Erfahrung mangelt. Aber genau diese Erfahrungen fürchte ich zu machen. Ich möchte lieber alles schon können. Ich habe Angst, den Widerständen auf dem Weg nicht gewachsen zu sein. Daher verbleibe ich momentan in Angststarre in einem Job, der mich unterfordert.

Es ist schon seltsam, da hatte ich über acht Jahre einen so krassen Job gehabt, mich mit ganzer Anstrengung hochgearbeitet und jetzt komme ich mir vor, als ob die Welt an mir vorbeizieht. Ich frage mich, ob ich je wieder einen Job haben werde, der mich geistig angemessen fordert. Ich habe mir jetzt auf jeden Fall vorgenommen, anfangs nächstes Jahr eine Coachin zu engagieren und mit ihr zusammen einen für mich gangbaren beruflichen Weg zu finden, der mir eine gewisse Erfüllung bieten kann. Bis etwas Neues und hoffentlich Besseres kommt, versuche ich, meine Situation so gut es geht zu geniessen und das Beste daraus zu machen.

Ängste · Beziehung · Freundschaft · Liebe

Wie viel Verständnis kann man von einer guten Freundin erwarten?

Ja, ich habe meinem Freund im vorletzten Beitrag eine Liebeserklärung gewidmet. Ja, ich liebe ihn. Und ja, ich bin mit ihm zusammen und habe mich bewusst dafür entschieden. ABER: ich habe schon immer gespürt, dass es nicht die Liebe meines Lebens ist und dass da noch mehr sein könnte. Dass die Liebesgefühle und das Begehren jemandem gegenüber stärken sein könnten. Dass da noch etwas anderes kommen wird, das mir noch eine ganz andere Welt zeigen wird. Ich weiss es einfach. Natürlich macht das die Beziehung nicht gerade einfacher, denn das Fundament auf dem sie steht, ist für mich immer eines, das nicht von einer längeren Zukunft ausgeht. Dennoch – wie im letzten Beitrag geschrieben – glaube ich nicht, dass unsere Beziehung deshalb weniger Wert ist.

Meine beiden besten Freundinnen, so auch CurlyA wussten immer über meine Gedanken diesbezüglich Bescheid. Irgendwann spürte ich dann aber, dass CurlyA nicht so gut damit umgehen kann. Dass sie mir heimlich Vorwürfe macht, obwohl ich immer ehrlich zu meinem Freund war. Ich habe schon mehrmals mit ihm gesprochen und ihm gesagt, wie ich die Beziehung sehe, dass ich mich aber auch nicht kopflos trennen möchte. Natürlich sieht er alles wohl ein wenig anders, aber hat er nicht auch selber eine Verantwortung für sich und sein Leben? Wir sind zusammen und haben es gut miteinander. Ich verspreche ihm nichts. Keine Kinder, kein Zusammenziehen, keine Heirat und ich sage ihm nie Liebling oder Schatz oder ich liebe dich. Auch er betont immer wieder, dass er sich nicht gross Gedanken wegen der Zukunft macht. Ist es meine Verwantwortung, das anzuzweifeln? Ist er nicht erwachsen genug?

Jedenfalls bin ich momentan – trotz aller Dankbarkeit ihm gegenüber – wieder in einer Phase, in der ich stark spüre, dass sich da in nächster Zeit (vielleicht ein Jahr, wer weiss das schon) etwas ändern könnte. Ich habe mich verändert und wer weiss, vielleicht war/ist der Hauptzweck unserer Beziehung, dass ich von ihm die Liebe lerne und er von mir viele Anstösse bekommt fürs Leben. Ich fühle mich alleine mit meinem Kummer und meinen Gedanken diesbezüglich. Denn auch wenn ich wohl diejenige sein werde, die sich trennt, wird die Trennung mich unglaublich schmerzen und aus der Bahn werfen.

Also sprach ich das Thema gestern bei einem Bier mit CurlyA an. Wir hatten davor über Berufliches geplaudert und die Stimmung war ganz entspannt. Dann wurde die Stimmung sofort angespannt und ich hätte mich wegen meines losen Mundwerks lynchen können. Sie war wie erstarrt, wie eine Wand, wurde nervös und brachte mir absolut kein Verständnis entgegen. Ich merkte jedoch, dass sie sich auch gar keine Mühe machte, meine Situation auch überhaupt zu verstehen. Sie ging von falschen Annahmen aus und ich war ständig dabei, mich zu verteidigen. Sie meinte was von, wir hätten doch jetzt so oft geredet und seien dann aufgrund der guten Gespräche trotzdem zusammen geblieben. Nein, wir waren zusammen geblieben, weil ich ich mich gar nicht trennen wollte, aber Klarheit schaffen wollte. Weil ich spürte, dass mir die Beziehung gut tut, aber halt nicht für die Ewigkeit sein würde. Für einen Aussenstehenden mag es schwer sein, das zu verstehen, aber es ist nun mal wie es ist. Ich sagte ihr dann, dass ich ihn ja schon liebe. Sie dann in vorwurfsvollem Ton: Ja, aber du liebst ihn wie ein Bruder. Nein, meinte ich, ich liebe ihn wie „Ihn“. Ich habe schliesslich einen Bruder und den liebe ich anders. Sie sagte dann auch, dass sie es verdammt hart fände, dass ich immer so über ihn reden würde und er davon nichts weiss. Meines Erachtens kann man es auch so betrachten, dass es nun mal Gedanken von mir sind, die sowieso da sind und dass ich die mit meiner besten Freundin teilen möchte. Ich gehe schliesslich nicht bei allen damit hausieren. Einige falsche Annahmen von ihr konnte ich aus dem Weg räumen, wo sie dann auch sagte, ah ja stimmt eigentlich. Das kam mir dann vor wie bei einem Urteil von einem Richter. Ich musste ständig Argumente finden, um ein milderes Urteil zu erhalten und es war ihr Recht, die Argumente abzuwägen und schliesslich über mich zu richten. Im Endeffekt fühlte ich mich voller Schuld. Ich war schwach. Sogar meine Haltung begann sich zu verändern. Ich zog den Kopf ein und wandte mich von ihr ab.

Zu Hause war ich richtig niedergeschmettert. Ich hätte mir von ihr mehr Verständnis gewünscht. Oder zumindest, dass sie versucht hätte, mich zu verstehen. Ich bin halt einfach jemand, der bei den engsten Menschen ihr Innerstes nach aussen kehrt. Und mir ist ja mehr als bewusst, dass es für gewisse Leute seltsam ist, was ich da genau tue in meiner Beziehung. Aber andererseits: gibt es nicht unendlich viele Beziehungen oder sogar Ehen, wo der eine schon seit Jahren weiss, dass er eigentlich nicht ganz glücklich ist? Muss man diese Menschen wirklich verurteilen? Wäre es nicht besser, man würde sie versuchen zu verstehen? Ihre Beweggründe, ihre Ängste? Ich glaube, mir persönlich würde das viel mehr Sicherheit geben, viel mehr Mut, um in Zukunft, wenn es eben dann soweit ist, vielleicht mal einen Schritt zu machen, den ich mich sonst nicht trauen würde. Weil ich wüsste, da ist jemand ist, eine gute Freundin zum Beispiel, die mich trägt und unterstützt, sollte ich mich einsam fühlen.

Nach all diesen Gedanken wurde ich plötzlich wütend. Auf sie, auf ihre Unfähigkeit, auf mich einzugehen. Und dann wandelte sich das Gefühl in Traurigkeit, denn ich realisierte, dass ich gar nichts von ihr erwarten kann. Ich kann sie nicht zwingen, mich zu verstehen oder schon nur zu verstehen versuchen. Unsere Freundschaft ist freiwillig. Das einzige was ich tun kann ist, Menschen zu finden, die mich nicht verurteilen. Die mich so nehmen wie ich bin. Mit meinen Fehlern. Die aber auch spüren, welcher Konflikt in mir herrscht und die somit auch verstehen, dass mir das alles überhaupt nicht leicht fällt, sondern dass ich mich bezüglich dieser Thematik selbst zerfleische. Und nach all diesen Gedankengängen, spürte ich neue Kraft und neue Hoffnung. Ich muss einfach loslassen, sie loslassen. Und ich muss zu mir stehen. Ich darf mich einfach nicht auch noch selbst verurteilen, das macht alles nur noch schlimmer. Zuerst muss ich selbst mich mit all den Fehlern, die ich vielleicht auch betreffend diese Beziehung mache, annehmen und mir ganz viel Verständnis entgegenbringen. Dann werde ich automatisch auch Menschen anziehen, die das auch tun werden.

Beziehung · Liebe

Wer sagt denn…

Wer sagt denn, man solle es nicht wagen, auch wenn man nicht total verknallt ist. Wer sagt, man soll es nicht wagen, wenn es im Moment stimmt? Wenn das Herz sagt: er tut dir jetzt gut, denke einfach mal nicht an morgen. Und wenn es dir das ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre lang sagt. Wer sagt, dass das falsch ist? Wer sagt, das all die schönen Momente, die man in dieser Zeit zusammen erlebt weniger Wert und weniger Bedeutung haben, nur weil es vielleicht nicht so ist, wie man sich das erträumt hatte? Es kann trotzdem Liebe werden, eine andere Liebe, als die, die man sich vielleicht vorgestellt hat, aber eine Liebe, die nicht weniger Wert hat und nicht weniger bedeutungsvoll ist. Das Leben ist unberechenbar und hat manchmal mit einem Dinge vor, die man erst im Nachhinein versteht.

Beziehung · Leben · Liebe · Uncategorized

Ich liebe ihn

Wahnsinn, wie man sich als Mensch in so kurzer Zeit verändert. Ich habe meinen Blog nochmals von Beginn an gelesen und erkenne mich kaum wieder. Ich hatte viele Posts auf privat geschaltet und dies nun wieder rückgängig gemacht. Die Themen – es ging meist um meine Beziehung – waren eine Weile lang zu heikel. Jedoch gehören diese Geschichten nun der Vergangenheit an und die Beziehung zwischen meinem Freund und mir hat sich gefestigt. Ich bin meinem Freund so unendlich dankbar für die letzten drei Jahre. Er hat mir so unglaublich viel Sicherheit gegeben und Zärtlichkeit geschenkt. Viel mehr als ich mir je hätte erträumen können. Er hat mich immer und immer wieder aufgepäppelt, wenn ich vom Leben erschöpft war. Hat geduldig schweigend neben mir gesessen und gewartet, wenn er wusste, dass ich was erzählen wollte, aber es emotional noch nicht über mich brachte. Er zeigt mir auf 1000 Arten seine Liebe und Zuneigung. Immer und immer wieder. Ich bin so gerührt darüber und einfach nur dankbar. Ich weine. Mir wird bewusst, dass nicht nur die Therapie mich geheilt hat, sondern auch die Liebe meines Freundes. Wie gerne hätte ich zu Beginn mehr Leidenschaft gewollt in unserer Beziehung. Mehr Emotionen, mehr Aufregung. Aber es war genau die leise Zärtlichkeit meines Freundes, die mich heilte. Egal was aus dieser Beziehung noch werden wird,  jetzt ist sie richtig und sie war die drei letzten Jahre richtig. Und das Leben hat es gut mit mir gemeint und mein Freund ist ein verdammt guter Kerl. Ich liebe ihn und werde ihn immer lieben, egal was noch kommt. Das kann ich heute sagen.

Alltag · Ängste · Bulimie · Einsamkeit · Essstörung · Leben · Vergangenheit

Aussöhnung

Meine Zeit im „Kloster“ ist vorbei. Wie schnell das vorüberging. Ich war fünf Tage lang für mich allein und hatte Zeit, um über einiges nachzudenken. Nebenbei ging ich aber auch viel spazieren und fast jeden Abend zur Erholung in ein Spa in der Nähe und ich las ein interessantes Buch über Quantentheorie und ihre Bedeutung für unser Weltbild.

Eigentlich hätte ich vorgehabt, viel mehr zu meditieren und mir über meine beruflichen Pläne Gedanken zu machen. Aber ich spürte, dass das Aufräumen mit meiner Vergangenheit Priorität hatte. Auf der Heimfahrt fühlte ich mich seltsam leicht. Als wäre eine kleine Last von meinen Schultern gefallen. Als ich gedanklich nochmals in meine Vergangenheit reiste, kamen mir plötzlich viele schöne Momente in den Sinn, die fast schon in Vergessenheit geraten waren. Ich habe doch neben all dem Leid so viele tolle Erlebnisse gehabt zwischen 20 und 30.  Ich spürte, wie ich ruhiger war. Weniger gestresst und getrieben.

Schon komisch, dieses Leben. Ich frage mich immer noch, warum ich so lange gebraucht habe bis es besser wurde. Aber wenn ich länger darüber nachdenke, weiss ich es. Ich wollte mich lange mit mir selbst und mit dem Leben nicht aussöhnen. Ich wollte lange nicht akzeptieren, wer ich bin und wie ich bin. Das war das Härteste überhaupt auf meinem Weg und der erste Schritt in meiner Therapie. Diesen Schritt zu machen und einfach mal zu akzeptieren, wie es war, das schien mir fast unmöglich und kostete mich viel Trauer und viele Tränen. Die Therapie, begann ich vor 10 Jahren sie war extrem hart. Ich musste – nach dem erwähnten ersten Schritt – unter für mich ganz schwierigen Bedingungen lernen, für mich einzustehen und anderen Menschen Grenzen zu setzen. Erst in der Therapie realisierte ich, dass ich massivste Ängste hatte. So richtig realisierte ich das interessanterweise erst, als ich für eine Weile Antidepressiva bekam und die Ängste plötzlich weg waren. Das war fast wie ein stetes Geräusch einer Heizung oder Klimaanlage, das man erst richtig wahrnimmt, wenn das Geräusch plötzlich weg ist. Dies Ängste hatte ich, weil ich nicht traute, für mich einzustehen. Weil ich in keiner Situation wusste, was geschehen würde. Ich wusste nur, dass die anderen Macht über mich hatten und mit mir tun konnten, was sie wollten. Somit hatte ich keine Kontrolle, einfach nur ständige Angst, weil ich ausgeliefert war. Als ich lernte, für mich einzustehen, bekam ich plötzlich Kontrolle über die Situationen. Ich realisierte, dass ich jederzeit die Möglichkeit hatte, selbst zu entscheiden. Ich hatte die Möglichkeit, mich aus einer Situation zu lösen, jemandem zu widersprechen, zu reklamieren, wenn etwas nicht gut war, jemandem zu sagen, wenn er meine Gefühle verletzte, zu sagen, wenn ich keinen Hunger mehr hatte und nicht aus Höflichkeit ausessen. Die Liste ist unendlich lang. Ich musste lernen zu fühlen, dass ich oft eigentlich aggressiv war, wenn ich vermeintlich Angst hatte. Aggressiv wegen meinem Gegenüber. Beispiel Arbeitskollegen: in den Anfängen meiner Wirtschaftsprüferzeit war das Team schlecht. Die Kollegen überheblich und arrogant aber auch böse zu mir, weil ich fachlich nicht gut genug war. Ich fühlte mich ihnen gegenüber unterlegen, war ängstlich, verunsichert und von Ihnen in die Ecke gedrängt. Da ich nicht traute, mich zu wehren, passte ich mich an und schluckte alles runter. Mein Psychiater fragte mich, was ich WIRKLICH fühlte ihnen gegenüber. Anfangs verstand ich nicht. Angst, wiederholte ich immer wieder. Angst sei kein Gefühl; eigentlich sei ich gegenüber meinen Arbeitskollegen nicht unsicher oder ängstlich gewesen. Sie seien gehen mir ganz einfach auf die Nerven gegangen ich hätte sie für Idioten gehalten und mich mich über sie aufgeregt. Ich hätte sie öde, sozial inkompetent und einfach nur blöd gefunden. JAAA, das war es. Heimlich war ich nicht einverstanden und eigentlich war ich wütend, dass meine Grenzen überschritten wurden. Ich unterdrückte jedoch diesen Impuls und so staute sich extrem viel Aggression an, die dann in unzähligen Sitzungen langsam zum Vorschein kam. Wir gingen gefühlt endlos viele Situationen aus meinem Leben durch, die ich in schlechter Erinnerung hatte und spürten das wahre verborgene Gefühl hinter dieser Aggression auf. Oft war es tief verschüttete Trauer, die ich nie an die Oberfläche gelassen hatte. Situationen, in denen ich tief verletzt wurde, aber mich nicht zu wehren wusste. Ich heulte so unendlich viel und es machte mich so müde, aber es war auch eine schöne Müdigkeit. Endlich konnte es alles raus. Ich lernte die besagte Aggression am Ende schätzen, weil sie mir nun ermöglicht, mich zu wehren. Jetzt wo ich sensibilisiert bin, ist es für mich ein Alarmzeichen und ich weiss dann, dass es darum geht, zu mir zu stehen, auch wenn es unangenehm wird. Die Herkunft des Wortes Aggression bedeutet „sich auf etwas zubewegen“ oder „angreifen“. Ich lernte also, nicht wegzulaufen oder zu schlucken, sondern mich mit ganzer Kraft auf mein Gegenüber zuzubewegen und für mich einzustehen, wenn nötig auch anzugreifen.

Das gab mir enorme Kraft und die Erfolgserlebnisse liessen nicht auf sich warten. Ich habe meinem Therapeut so viel zu verdanken. Und auch hier meinte es das Leben wieder gut mit mir. Ich konnte ja nur zu ihm weil das ein Bekannter dieses freiwilligen Helfers war, der mich unterstützte. Mein Psychiater ist der beste der ganzen Region und eigentlich immer ausgebucht. Aber ich bin auch stolz auf mich, dass ich das durchgezogen habe. Eine Freundin von mir war auch mal bei ihm, hielt es aber dann nicht aus, weil es ihr zu hart war und machte dann einfach eine normale Gesprächstherapie bei jemand anderem.

Ich habe einen enorm langen und schwierigen Weg hinter mir. Und eigentlich kann ich stolz sein. Ich bin in vielen Themen inzwischen abgebrüht und das meine ich im positiven Sinne. Mir kann nicht mehr viel wirklich was anhaben. Natürlich leide ich immer noch sehr am Leben. Ich habe täglich irgendwelche Dinge zu beklagen. Dies und jenes tut mir weh, mein Job ist scheisse, meine ganze Vergangenheit hab ich verkackt meine Beziehung ist auch nicht das, was ich mir früher mal erträumt habe, ich bin zu klein, immer noch zu unsicher… BLA BLA BLA BLA BLA. Aber das gehört doch zum Mensch sein dazu – und ich bin halt jemand, der das Leben eher ernst nimmt und unzufrieden ist, wenn was nicht stimmt. Aber ich bin nicht eine Nörgeltante und kann immer wieder über mich selbst lachen. Im Endeffekt sind das unbedeutende Dinge, das kann ich mir zum Glück immer wieder selber vor Augen führen.  Wenn es hart auf hart auf hart kommt, dann bin ich sehr stark. Das habe ich oft genug bewiesen. Und darauf bin ich stolz. Und so weit gekommen bin ich wegen all dem, was ich erlebt habe. Meine Vergangenheit hat mir also quasi den Weg geebnet, auf dem ich heute gehe und dafür bin ich unglaublich dankbar. So hat wohl doch alles seinen Sinn und Grund gehabt.